Zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Peter Lehmann

durch den deutschen Bundespräsidenten
in Anerkennung der »um Volk und Staat erworbenen besonderen Verdienste«

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Senat für Gesundheit Umwelt und Verbraucherschutz: Engagement gewürdigt. Kiez-ticker, die Internetseite von Infothek 88vier, 2.9.2011

Video-Dokumentation der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Peter Lehmann ( YouTube). Mit der Laudatio von Katrin Lompscher und einer kurzen Antwort von Peter Lehmann, 5.9.2011

Thorkit Treichel: Ehrung – Ein sanfter Kämpfer. Peter Lehmann erhielt gestern das Bundesverdienstkreuz für sein Engagement gegen die Zwangsbehandlung von Psychiatriepatienten. Artikel in der Berliner Zeitung, 6.9.2011. Samt Richtigstellung

Ehrung in Berlin – Bundesverdienstkreuz für Peter Lehmann. Bericht in der Stuttgarter Zeitung, Ausgabe "Fellbach und Rems-Murr-Kreis", 8.9.2011

Peter Lehmann für sein Engagement in der Bewegung der Psychiatriebetroffenen ausgezeichnet. Bericht in Psych.Pflege heute – Die Zeitschrift für Pflegepraxis und psychische Gesundheit, 17. Jg. (2011), Nr. 6, S. 334; und in Kuckucksnest – Die andere Zeitschrift der Psychiatrie-Erfahrenen (Bern), Nr. 69 (Dezember 2011 - Februar 2012)

Verleihung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland am 6.9.2011. Artikel im Rundbrief des Bundesverbands Psychiatrie-Erfahrener, 2011, Nr. 4

Bundesverdienstkreuz an Peter Lehmann. Artikel in Soziale Psychiatrie, 36. Jg. (2012), Nr. 1

Verdienstkreuz für großartigen Einsatz – Lobbyist der Psychiatriebetroffenen. Artikel in: Paritätischer Rundbrief – Rundbrief des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, Landesverband Berlin 2011, August / September

Ehrung von Dr. h.c. Peter Lehmann, einem der bekanntesten Vertreter der "humanistischen Antipsychiatrie". Artikel in: ApK Info (Infozeitung des Angehörige psychisch Kranker – Landesverband Berlin e.V.), 2011, Nr. 3



Laudatio von Katrin Lompscher, Senatorin für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Berlin
zur Verleihung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland am 5.9.2011

Sehr geehrter Herr Dr. Lehmann,

mehr als 30 Jahre Engagement für die Wahrung der Menschenrechte, insbesondere für Menschen mit psychischen Problemen und Psychiatriebetroffene - dies ist ein echter Anlass für eine Ehrung, und hat über den unmittelbaren Wirkungskreis hinaus Ausstrahlung!

Ihr Name ist mit der Innovativen Psychiatrie, der humanistischen Antipsychiatrie, untrennbar verbunden. Innovative Psychiatrie – versteht sich auch als Bürgerrechtsbewegung, die auf Emanzipation und Partnerschaft zielt.

Bei psychischen Problemen zählen der Erhalt von angemessenen Lebensverhältnissen bzw. die Eingliederung in ein möglichst angemessenes Lebensumfeld zu den wichtigsten Zielen.

Dabei ist die Selbsthilfe sehr wichtig und genießt Vorrang. Erst danach, wenn Hilfe aus dem individuellen und sozialen Umfeld nicht oder nicht ausreichend mobilisiert werden kann, sollte professionelle psychiatrische Hilfe angeboten werden. Vorrang vor psychiatrischer Hilfe haben in jedem Fall allgemeine Hilfen durch soziale Dienste und/oder die allgemeinmedizinische Behandlung. Nur wenn dies nicht ausreicht, soll psychiatrische Hilfe durch entsprechend qualifiziertes Personal geleistet werden.

Sie selbst, sehr geehrter Herr Dr. Lehmann, mussten vor langer Zeit erleben, dass Psychiatrie auch gegen Menschen handeln kann. Diese Erfahrung hat Sie motiviert aktiv zu werden, für die Rechte von Menschen, nicht nur derjenigen mit einer seelischen Störung, in einer zivilisierten Gesellschaft.

Jede Hilfe zielt auf die Stärkung der Person und ihre eigenen Potentiale von Betroffenen oder soll darauf zielen. Ein tragfähiges soziales Umfeld ist ein hohes Gut, zugleich eine Voraussetzung und ein unschätzbarer Bestandteil einer solchen Hilfe. Der Beitrag und der Stellenwert von Angehörigen, von Selbsthilfeorganisationen, aber insbesondere auch von Psychiatrieerfahrenen kann nicht hoch genug bewertet werden. Ohne ihre unmittelbare Unterstützung, ihre Beteiligung an der Planung und Ausgestaltung der Hilfesysteme besteht sonst die Gefahr, dass am Bedarf und an den Wünschen der Betroffenen vorbei gehandelt wird. Deshalb sind Kritik und Rat von außen so wichtig.

Mit Ihrer stetigen Arbeit und Mahnung, mit der Veröffentlichung mehrerer Bücher zu diesem Thema und mit der Gründung von nationalen und internationalen Netzwerken und Vereinen sind Sie eine der Persönlichkeiten, die die Akteure und Professionellen im psychiatrischen Versorgungsnetz immer wieder daran erinnern, sich selbst zu hinterfragen, die Bedürfnisse Menschen, für die sie da sind und da sein wollen, es zu erforschen, zu erfragen und ihr Handeln darauf auszurichten.

Für Ihr langjähriges und unermüdliches Engagement bedanke ich mich bei Ihnen herzlich und freue mich auch ganz persönlich, Ihnen heute den Verdienstorden der Bundesrepublik verleihen zu dürfen!

 
Katrin Lompscher & Peter Lehmann
Katrin Lompscher & Peter Lehmann
[Foto: Constance Dollwet]

Manfred Lehmann & Peter Lehmann
Mit Bruder Manfred (links)
[Foto: Constance Dollwet]

Ulrich Lindner & Peter Lehmann
Mit Ulrich Lindner, ein ehemaliges BPE-Mitglied, auf dessen Initiative hin das Bundesverdienstkreuz an P.L. verliehen wurde

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